Epidemiologische Informationen ( 51. KW )
 

Vergifteter Weizen in Afghanistan
Im Westen der afghanischen Provinz Herat sind mehr als 270 Menschen an einer durch Pestizide vergifteten Weizen verursachten Vergiftung erkrankt und mehr als 40 Patienten daran verstorben. Die Vergiftung wird durch Pyrrolizidin-Alkaloide verursacht und äußert sich in einem Verschluss der Lebervenen, die zur Ausbildung von Aszites, Erbrechen und Ikterus führt. Die Erkrankung ist in Afghanistan unter dem Namen „Charmak-Krankheit“ oder „Kamel-Bauch-Krankheit“ bekannt. Das Insektizid ist auch im aus dem Weizen produzierten Mehl vorhanden und in dem daraus hergestellten Brot. Der Verzehr insbesondere von in den Provinz Herat hergestelltem Brot und Teigwaren sollte möglichst vermieden werden (ProMED, 17. Dezember 2008).

Milzbrand in Schweden
In der schwedischen Region Halland an der Südwest-Küste Schwedens ist in einem Bauernhof Milzbrand bei Rindern aufgetreten. Es handelt sich um die ersten Fälle von Milzbrand in Schweden seit 27 Jahren. Aktuell sind keine Erkrankungsfälle bei Menschen bekannt. Die Farm ist unter Quarantäne, es dürfen keine tierischen Produkte ausgeführt werden. Für alle Bewohner und Beschäftigten des Bauernhofs mit Kontakt zu den Tieren wurde eine Antibiotika-Prophylaxe angeordnet. Dieses Beispiel zeigt, dass selbst in hoch entwickelten Ländern nach Jahrzehnten Milzbrand in Viehherden auftreten kann. Grundsätzlich sollten daher alle Kontakte mit erkrankten Tieren oder mit Tierkadavern vermieden werden (ProMED, 13. Dezember 2008).

Tollwut in den USA
Im US-Bundesstaat Vermont im Nordosten der USA ist ein tollwütiger Otter nach einem Angriff auf eine Jugendliche gefangen und getötet worden. Die Jugendliche war in der Nähe ihres Heims aus dem Auto ausgestiegen und dort von dem Otter angegriffen worden und hatte am Fuß mehrere Kratzer abbekommen. Otter werden selten als tollwütig gefunden. Allerdings wurden insbesondere im letzten Jahrzehnt die ökologischen Bedingungen stark verbessert, so dass die Population des nordamerikanischen Flussotters deutlich gestiegen ist. Damit ist zu erwarten, dass auch Otter häufiger tollwütig gefunden werden und entsprechende Kontakte mit Menschen stattfinden. Grundsätzlich sollte jeder direkte Kontakt mit Ottern mit auffälligem Verhalten vermeiden werden (ProMED, 13. Dezember 2008).

Milzbrand in Deutschland und Frankreich
Im Rahmen des in Saabrücken aufgetretenen und in Frankreich erworbenen Falls von Milzbrand sind weitere Erkrankungsfälle aufgetreten. Aktuell ist von insgesamt 3 Erkrankungsfällen die Rede. Alle 3 Erkrankten hatten direkten Kontakt mit erkrankten Rindern. Weitere 21 Personen, die auf dem Bauernhof anwesend waren, wurden untersucht, weisen bisher aber keine Infektionszeichen auf. In allen Erkrankungsfällen handelt es sich um die Form des Hautmilzbrands, die nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Reisende sollten auch in zivilisierten Ländern jeden Kontakt mit erkrankten Haus- und Wildtieren oder mit Tierkadavern vermeiden (ProMED; 13. Dezember 2008).

Cholera in Südafrika
In der südafrikanischen Provinz Gauteng (ehemals Prätoria-Witwatersrand) wurden seit November mehr als 46 Personen mit Verdacht auf Cholera in Krankenhäuser eingewiesen. Bei mindestens 16 Personen konnte der Verdacht bestätigt werden. 14 der 16 Erkrankten waren aus Simbabwe eingereist, 2 Patienten stammten aus Südafrika und weisen somit auf eine Übertragung in Südafrika hin. Die Cholera wurde in verschiedene an Simbabwe angrenzende Länder durch Reisende und Flüchtlinge eingeschleppt. Reisende aus Simbabwe mit Durchfall-Symptomatik sollten auf Cholera untersucht werden (ProMED, 15. Dezember 2008).

Cholera in Malawi
Die Cholera breitet sich rasant in Malawi aus. Betroffen ist insbesondere die südliche Region mit den Regionen Lilongwe, Balaka, Mwanza, Chikwawa und Mangochi, die an Mosambik angrenzt, wo ein Cholera-Ausbruch abläuft. Bisher sind mindestens 4 Menschen in Lilongwe allein an der Cholera verstorben. Die aktuelle Zahl von Erkrankten in den betroffenen Regionen ist nicht verfügbar. Die Behörden unternehmen alle Anstrengungen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die autochthone Übertragungen einzudämmen. Reisende nach Malawi und insbesondere in den Süden des Landes sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 15. Dezember 2008).

Cholera in der Demokratischen Republik Kongo
In den im Südosten der Demokratischen Republik Kongo gelegenen Regionen Pool und Bouenza sind seit Beginn eines Cholera-Ausbruchs im Februar diesen Jahres mindestens 127 Menschen erkrankt und 3 Patienten verstorben. Es werden weiterhin neue Erkrankungsfälle von Cholera diagnostiziert, was auf eine weitere Übertragung des Erregers in der Region schließen lässt. Als Ursache für den Ausbruch werden die schlechten sanitären Verhältnisse und insbesondere der Mangel an sauberem Trinkwasser genannt. In den meisten ländlichen Regionen des Kongo haben teilweise nur 15% der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Reisende in die Region sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen (ProMED, 15. Dezember 2008).

Dengue Fieber in Indonesien
In der indonesischen Provinz Riau auf der Insel Bintang wurde von den Gesundheitsbehörden ein Dengue Fieber-Ausbruch erklärt. Während in den letzten Wochen nur sporadische Fälle auftraten, erreichte die Zahl der Neuerkrankten im November den Schwellenwert für ein Ausbruchsgeschehen. Danach wurden allein im November 67 Erkrankungsfälle gezählt, mehr als eine Verdopplung gegenüber den neu diagnostizierten Erkrankungsfällen des Vormonats. Im gesamten Jahr sind bisher 5 Todesfälle durch Dengue Fieber gezählt worden. Davon innerhalb der 3. Novemberwoche 2 Todesfälle bei Kindern. Reisende auf die genannte Insel und die angrenzenden Inseln und Regionen sollten auf das erhöhte Infektionsrisiko aufmerksam gemacht werden und Maßnahmen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Dezember 2008).

Dengue Fieber in Mexiko
Im mexikanischen Bundesstaat Jalisco werden trotz der mittlerweile kühleren Temperaturen weiterhin Neuerkrankungen von Dengue Fieber beobachtet. Betroffen sind vor allem auch die Städte Guadalajara und Puerto Vallarta, die zu den Haupt-Touristengebieten in Mexiko zählen. Die Experten vermuten eine weitere Übertragung des Dengue Fiebers in 2009 und schließen auch das Auftreten von hämorrhagischen Fieberfällen nicht aus. Reisende in die genannten Regionen sollten über das erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken-Stichen (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 16. Dezember 2008).

Tollwut in Irland
In der Nordirischen Stadt Belfast liegt eine Patientin auf der Intensivstation des Royal Victoria Krankenhauses, bei der Tollwut diagnostiziert wurde. Die Patientin hatte einige Zeit in Südafrika verbracht und war dort auch mit streunenden Hunden in Kontakt gekommen. Es lag keine Tollwut-Impfung vor. Der letzte Tollwut-Fall in Nord-Irland liegt 50 Jahre zurück. Das Beispiel zeigt wiederum, dass Reisende in tropische Regionen Südostasiens, Afrikas und Amerikas einem erhöhten Tollwut-Risiko ausgesetzt sind und über dieses Risiko informiert werden sollten (ProMED, 16./19. Dezember 2008).

Hämorrhagisches Fieber mit Renalem Syndrom in Finnland
In Finnland wird im Jahr 2008 eine extrem hohe Zahl von Erkrankungsfällen des durch Hantaviren verursachten Hämorrhagischen Fiebers mit Renalem Syndrom registriert. Es ist von rund 3000 oder mehr Erkrankungsfällen im aktuellen Jahr auszugehen. Die Experten gehen von einem Weiterbestehen der Ausbruchssituation aus bis in das Jahr 2009 hinein. Verursacht wird die Erkrankung in Skandinavien durch Puumala-Virus. Die Übertragung erfolgt durch die Rötelmaus (Myodes glareolus). Die Mäuse sind chronisch infiziert und scheiden das Virus mit ihren Sekreten und Exkreten aus. Die Infektion auf den Menschen erfolgt durch Aerosolinfektion von mit Viren kontaminiertem Staub oder durch direkten Kontakt mit Exkreten oder Sekreten. Reisende nach Finnland sollten jeden Kontakt mit Nagern und deren Exkreten vermeiden. Nager-infestierte Gebäude und Räumlichkeiten sollten in keinem Fall trocken sondern immer feucht gereinigt werden, um Staubaufwirblungen zu vermeiden (ProMED, 18. Dezember 2008).

Tollwut in Russland
In der russischen Region Belgorodskaya ist eine Frau an Tollwut erkrankt. Die Region liegt im Südwesten des europäischen Teils Russlands an der Grenze zur Ukraine. Aus Russland werden überwiegend Fälle von silvatischer Tollwut (Infektion durch Wildtiere) gemeldet. In diesem Fall wurde die erkrankte Person jedoch vermutlich durch eine tollwütige streunende Katze gebissen, die daraufhin verschwand und nicht mehr gesehen wurde. Grundsätzlich sollten Reisende jeden Kontakt zu Tieren mit auffälligem Verhalten vermeiden (ProMED; 18. Dezember 2008).